ι marléna loves macarons

   marleen loves macarons 3 © www.dieblauenstunden.comManche Blogfashionista hat diese Herrlichkeit schon totgesagt oder für OUT erklärt.

Aber wie kann etwas so Herrliches mit einer Geschichte, welche bis ins frühe Mittelalter reicht, plötzlich out sein? Das Gegenteil scheint mir eher der Fall! Die Macarons, ein französisches Mandelbaisergebäck als Doppelkeks mit cremiger Füllung, treten ihren Siegeszug quer über die Kontinente an. Hat mir doch neulich jemand erzählt, dass es diese kunstvollen Kleingebäcke bereits in deutschen McDoofs zu kaufen gibt. Dies kann nur eine Lüge sein, oder mindestens ein großer Irrtum. Auch tiefgefrorene und zum Verkauf wieder aufgetaute oder gar durch Konservierungsmittel künstlich lebensverlängerte Macarons sind nicht das, worüber ich hier schreibe.

Bei den echten Macarons handelt es sich immer und ausschließlich um handgefertigte frische Maßstücke der hohen Patisseriekunst.

Sie sind die Mimöschen der französischen Süßigkeiten. Sie möchten frisch serviert werden. Sie mögen keine hohe Luftfeuchtigkeit, da werden sie einfach pappig. Sie mögen es auch nicht zu trocken oder zu warm, dann möchte ihre glatte hauchzarte Kruste nicht mehr auf der Zunge zergehen. Die Macarons lieben es sehr genau, was Zutatenmengen, Backtemperatur und –dauer sowie Ruhezeiten betrifft. Jede Unaufmerksamkeit bei ihrer Herstellung torpediert das Ergebnis.

Als unangefochtene französische Könige der Macaronsherstellung gelten Pierre Hermé und Ladureé. Ihre Geschäfte sind vom Straßendreck durch ausgeklügelte Klimatisierungsanlagen und Luftfeuchteregler hermetisch abgetrennte Zauberstübchen, in welche man durch eine luftdicht verschließende Automatikschiebetüre eintritt. Das Licht ist gedimmt und die Atmosphäre hygienisch rein. Nichts kann hier die Empfindlichkeit der Macarons beeinträchtigen. Jetzt heißt es nur noch schwärmen und wählen.

Persönlich bevorzuge ich die kleinen Macarons, so dass man sie elegant auf der Zunge zergehen lassen kann (dieses Konzept hat die Schweizer Firma Sprüngli mit ihren sogenannten Luxemburgerli perfektioniert).

Die Variantenvielfalt spricht für den hohen intellektuellen Anspruch bei der Macaronherstellung. Beispiele: Limette-CampariOrange, Olivenöl-Mandel, Juzu (japanische Zitrone mit Schokolade), Tonkabohne, Veilchen-Cassis, Mandarine-Cheesecake, Piment d´Esplette mit Himbeer-Limone, Passionsfrucht mit dunkler Schokolade, Rosé, Vanille-Pistazie u.v.m..

Ist die Wahl glücklich getroffen, werden die Schönen sorgsam verpackt. Zwischen 1,80 EUR und 2,20 EUR je Macaron in der üblichen Größe von etwa 3 cm Durchmesser darf man schon rechnen. Aber es ist gut ausgegebenes Geld.

Denn jedes einzelne Macaron zaubert dem Genießer im Moment der Geschmacksexplosion ein Lächeln ins Gesicht, das unbezahlbar bleibt.

Sehr schön beobachten durfte ich das auch bei meiner lieben Marléna, einer leidenschaftlichen Macaron-Expertin, welche ich euch  deshalb unbedingt vorstellen möchte:

Marléna, wo kommst du her und wo wohnst du jetzt?

Ich komme ursprünglich aus Berlin, mache aber gerade für ein knappes Jahr als Au Pair Station in Paris. Ich wohne und lebe mit und arbeite für Madame H., die in diesem Blog bereits absolut treffend und lobend erwähnt wurde (hier).

Wie bist du auf die Macarons gekommen?

Ihrer Optik, den zarten Farben und dem Purismus in der Form konnte ich mich schon beim Lesen in Zeitungen, Blogs etc. lange Zeit nicht entziehen.

Als ich dann angefangen habe, Restaurant, Cafés und Hotels zu besuchen und zu bewerten, kam ich das erste Mal in den Genuss eines hausgemachten Rosenblüten- Champagner- Cranberry- Macaron. Geschmacklich war das im Nachhinein noch verbesserungswürdig.

Und dennoch hat dieser Moment des Genusses etwas in mir angeregt. Es war ein Gefühl von Wertschätzung mir selbst gegenüber, verhältnismäßig viel Geld für einen kurzen Augenblick des Genusses auszugeben.

Als ich dann in Paris allein ankam und ein inspirierender Restaurantbesuch mich um mein monatliches Taschengeld gebracht hatte, war es ganz besonders wichtig für mich, diese Wertschätzung trotzdem fortzuführen –ein guter Kompromiss, dennoch die französische Küche zu erforschen.

Ich spreche von diesem kurzen Moment, in einen Macaron zu beißen und eigentlich gar nicht richtig beißen zu müssen, weil er auf der Zunge zergeht, und abzuwarten, wie der Pâtissier die Nuancen im Zusammenspiel erdacht hat. Wartet noch etwas im Inneren dieses Kekses auf mich? Entspricht dieser Geschmack meinem Empfinden?

Es war mir irgendwann aber nicht mehr gleichgültig, dass das Macaron oft falsch gelagert wurde, zu knusprig, süß oder klebrig schmeckte, die Färbung lieblos wirkte und ich mir nie sicher sein konnte, ob doch nur künstliche Aromastoffe verwendet wurden.

Ich besuchte einen Macaronkurs, kaufte Literatur, und von da an begann die Suche nach den Macarons, die ihren Preis wirklich wert waren.

Wer ist dein persönlicher Favorit bei der Herstellung der Macarons ? Warum?

Rein handwerklich gibt es da natürlich die besten Adressen in Paris, um mit Sadaharu Aoki, der Pâtisserie des Rêves und Ladurée nur einige der interessantesten zu nennen.

Ich selbst habe allerdings Pierre Hermé für mich entdeckt: Hochwertige Zutaten, perfekte Lagerung wie selbstverständlich, ein kleines bisschen Chichi bei der Dekoration, ansonsten Minimalismus bei der Präsentation, aber vor allem Kreationen, die mir den Atem rauben.

Was sind deine drei Lieblingssorten?

Jasmin und Aprikose, Olivenöl und Vanille und natürlich den berühmten Ispahan mit Litschi, Himbeere und Rose (alles Pierre Hermé).

Wenn Du noch 2,20 EUR übrig hast, wofür gibst Du das Geld aus?

a)      Briefmarke

b)      Sparschwein

c)      Macaron

Antwort c) versteht sich von selbst! Wenn das Datum auch noch der 20. März wäre, der „Jour du Macaron“, gehe ich in jede einzelne der 6 Boutiquen von Pierre Hermé in Paris, bekomme 3, insgesamt also 18 Macarons umsonst und spende im Rahmen dessen jeweils 36 Cent an wohltätige Zwecke –solange ich diesen Betrag mit meinem sozialen Gewissen vereinbaren kann.

Welche Macaronsorte muss Deiner Meinung nach noch erfunden werden?

Martini bianco mit Fenchel und Limette.

Könnte es passieren, dass deine Leidenschaft für Macarons durch deine Rückkehr nach Berlin verlorengeht?

Sie wird höchstens verdrängt bis zu meinem nächsten Parisaufenthalt.

Berlin entdeckt als Spätzünder gerade Macarons für sich. Es gibt eine Depandance von Frédérick Cassel, dem Gewinner des internationalen Pâtissierwettbewerb 2013, in der Galleries Lafayette (ja, es stimmt, sie ersetzt die kurzfristig dort angesiedelte einzige Ladurée- Verkaufsstelle Deutschlands – bis jetzt) zwei Manufakturen und einige Bäckereien.

Sobald ich nicht jedes Macaron Berlins mindestens einmal getestet habe, glaube ich daran, dass wir auch in Berlin bald Menschen mit großem Beschützerinstinkt kleine Papiertüten spazieren tragen sehen werden.

Marléna, MERCI BEAUCOUP für dieses wunderbare Interview XXX

1200x1200_jardin_secret

Und zu guter Letzt ein Geheimtipp für die so genannte Frankenmetropolregion, in welcher dieblauenstunden.com beheimatet sind: Es gibt immerhin ein einziges Geschäft, dass empfehlenswerte, absolut frische Macarons verkauft. Aber Achtung: nur Samstags, und mittags sind sie in der Regel ausverkauft. Mit etwas Glück werden die Schätzchen manchmal auch schon Freitags angeliefert. Hier geht’s lang zu diesem Geheimtipp ; )

Und falls ihr euch mal selber an die Herstellung von Macarons wagen wollt (ich habe mich noch nicht getraut!), die beste Anleitung finden engagierte Konditoren mMn bei Aurélie.

XXX

© www.dieblauenstunden.com

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...

9 Thoughts on “ι marléna loves macarons

  1. Pingback: ι mrs blues studies on table manners, today´s n°01 | dieblauenstunden.com

  2. Toller Artikel ! Ich war im februar in Paris und habe das Glück gehabt die Collection Fevrier de Pierre Hermé zu probieren.
    Macarons Rosen Ganache mit einem Karamell Herz…… ein Traum ….. Viel Spaß an alle Macarons Fans und bon Macaronnage.
    Aurélie

    http://www.franzoesischkochen.de

    • Merci beaucoup, Aurélie! Was für ein Zufall, wir hätten uns im Februar in Paris bei Hermé in die Arme laufen können ; ) Ich finde dein *Logo* übrigens spitzenmäßig XX

  3. wie mein herz jetzt aufgegangen ist :)) ich wollte die mal selber ausprobieren, aber mehr als das rezept zu googeln ist es nicht geworden :)

    (http://www.lecker.de/backen/gebaeck/bildergalerie-1826880-feingebaeck-und-kleingebaeck-backen/Macarons-selber-machen.html)

    meine schwägerin hat mir mal welche aus der schweiz mitgebracht. schön verpackt im leuchtendgrünem karton. schmacht …

  4. Marléna Martini on 3. April 2013 at 17:11 said:

    Grandios!
    Du hast das Macaron wieder ins rechte Licht gerückt! Danke!

  5. Thanks to my smart expert Marleen ; )
    Vanilla is a great seduction! I feel addicted to the chocolate variations combined with fruits, hhmmm…
    XX

  6. My favorite macarons are the vanilla ones ;) from laduree.
    nice interview :)
    http://www.alexavoncanisius.com/blog/

please leave your comment

Post Navigation