ι 250 happy birthdays to Jean Paul!

Jean Paul Gaultier? Neeeiiin, der Jean Paul, aus Bayreuth. Sein  Museum im Richard-Chamberlain-Haus in der Wahnfriedstraße 1  steht im Schatten der allbekannten Wagnerischen Wahnfriedvilla. So wie Jean-Paul heutzutage eher ein Schattendasein neben seinen Zeitgenossen Goethe und Schiller  führt.

Weil gerade alle Wichtigen in Bayreuth Jubiläen feiern, allen voran natürlich Wagner (200. Geburtstag am 22. Mai und 130. Todestag, hiermit also quasi ein Doppeljubilar), wird auch die Museumsmeile Bayreuth (Wahnfriedvilla, Franz-Liszt-Haus, Jean-Paul-Museum, Freimaurer-Museum) noch schnell auf Hochglanz gebracht.

Nein, das ist nicht ganz richtig. Erstens kommen nur die Wahnfriedvilla und das Jean-Paul-Museum in den Genuss einer Auffrischung, und zweitens kann von “schnell”  nicht die Rede sein. Wahnfried gestern: eine riesige leere Baustelle und mittlerweile im Gerede wegen Forderungen nach Baustopp der geplanten Museumserweiterung.  Hier bleibt es spannend, lassen wir uns überraschen.

Dafür tritt nun Jean-Paul plötzlich aus dem Schatten seines Riesennachbarn. Denn diese Museumsneueröffnung wird pünktlich an seinem 250. Geburtstagsjubiläum dem geladenen Publikum präsentiert.

Ist die Museumsneugestaltung gelungen? Intern wurde von einem Renovierungsinvest über 300.000 EUR gesprochen. Das Ergebnis lässt sich zusammenfassend als 0815-Museumsformel des 21. Jahrhunderts beschreiben.  Man betritt einen roten Schlund, dessen Parcour sich wie ein Trimm-Dich-Pfad ohne Entkommen abwickelt. Die Gänge sind schmal und man wird ständig zum Mitmachen animiert: es gibt den obligatorischen Touchscreen, aufs Tafelparkett projizierte Lichtbilder, und ausziehbare Schubladen. Ein inszeniertes “Arbeitszimmer” soll den Besuchern das Wirken Jean Pauls noch mehr veranschaulichen… Wirklich sinnvoll, aber inhaltlich noch nicht erprobt, wird als wesentliche Neuerung eine mehrsprachige Audiotour angeboten.

Eva Wagner-Pasquier und Verena Wagner Lafferentz  beehrten die Wiedereröffnungsfeier als prominente Gäste. Reden wurden gehalten. Die Bayreuther Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe beschränkte sich im wesentlichen aufs Danke-Schön-Sagen. Der umstrittene Leiter der Wagner-, Liszt- und Jean-Paulmuseen Dr. Sven Friedrich, bekennender Nicht-Jean-Paul-Versteher, hob besonders die Leistung der pünktlichen Wiedereröffnung des Jean-Paul-Museums hervor. Ganz uneigennützig, neben der schweigenden Wagner-Riesenbaustelle. Womit er völlig falsch lag: der Gründer des Museums, Dr. Philipp Hausser, hatte seine Sammlung der Stadt Bayreuth nicht “unter Wert verkauft”, wie Herr Dr. Friedrich es formulierte, sondern zu seinen Lebzeiten an diese als großzügige Schenkung gestiftet. Jean Paul selbst wurde durch eine Lesung von Franz Mazura geehrt.

Tatsächlich sind Jean Paul Friedrich Richters Romane heutzutage weniger bekannt und beliebt als zu seinen Lebzeiten. Dafür sind seine Sprüche und Zitate um so populärer:

“Ein Kind sei euch heiliger als die Gegenwart, die aus Sachen und Erwachsenen besteht.”

“Die Tat ist die Zunge des Herzens.”

“Nichts ist fataler, als wenn gerade die letzte Flasche altes Bier schlecht ist.”

“B´s, die ich brauche: Berge, Bücher, Bier.” ***

Sehr bodenständig, der große bayerische Provinz- und Weltdichter.  Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Jean Paul !

***Wer mehr Jean Paul möchte: die “Hundspost” des Jean Paul 2013 e.V. verschickt per Email Richterische Geistesblitze, abonnierbar unter www.jean-paul-2013.de.

EDIT 27. März 2013: man sieht das gestalterische Ergebnis des neuen Jean-Paul-Museums durchaus auch ganz anders – das will ich euch nicht vorenthalten ; ) http://www.sueddeutsche.de/z5i38g/1213353/Gedenkmuenzen-und-Groschenausgaben.html

© www.dieblauenstunden.com

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